>>Ceramide, die Stütze der Hautbarriere

Ceramide, die Stütze der Hautbarriere

Die Worte „Fette“ oder „Lipide“ wirken negativ, weil sie oft im Zusammenhang mit Fettleibigkeit und Arterienverkalkung auftreten.
Fett ist aber nicht immer eine schlechte Sache.

Ganz im Gegenteil, wenn es um die Haut geht, sind „Lipide“ (von dem griechischen Wort für Fett, „lipos“) gleichbedeutend mit Wohlbefinden. Der Grund dafür ist, dass einige dieser Fette das Eindringen schädlicher Stoffe in die tief gelegenen Hautschichten sowie ein übermäßiges Verdunsten von Wasser verhindern und damit die Funktion der Hautbarriere aufrechterhalten.

Die wesentlichen Fette der Hautbarriere sind:

  • Cholesterin
  • Fettsäuren

Was sind Ceramide?

Ceramide sind die Stütze der Hautbarriere. Sie halten das Wasser in unserem Körper wirksam zurück und bewahren somit das Gleichgewicht der Zellen und Organe.

Genauer betrachtet handelt es sich um Fettmoleküle, die aus einer Fettsäure und einem Sphingosin (ein Baustein der Zellmembrane) bestehen. Unsere Haut bildet diese Moleküle ausgehend von Vorläuferstrukturen (Glucosylceramide) und dank der Wirkung spezifischer Enzyme (Ceramid-Synthetasen).

Obgleich Ceramide in den letzten 20 Jahren vielfach untersucht wurden, weiß man immer noch recht wenig über sie.
In der äußersten Schicht der Haut, der Hornschicht, wurden bislang etwa 300 Arten identifiziert, aber laut der Forscher könnten es sogar über 1000 sein.

Der Grund für diese große Anzahl sind einige Unterscheidungsmerkmale, wie die Länge der Fettsäurekette oder eine vorhandene hydrophile Funktionsgruppe. 
Hier lohnt sich ein näherer Blick ins Detail.

Wie sind Ceramide aufgebaut?

Wie zuvor erwähnt, bestehen Ceramide aus einer Fettsäure und Sphingosin: Sie bilden lineare Ketten mit unterschiedlichen Längen, die im Raum „erweiterte“ Formen annehmen und sich horizontal und vertikal miteinander verbinden können.

An diese langen Ketten können sich funktionelle Elemente anbinden, wie Hydroxyle (-OH) aus Sauerstoff und Wasserstoff, die als Ankerpunkte fungieren, um Wassermoleküle zurückzuhalten. Dabei entsteht eine wahrhaftige „architektonische Struktur“ aus Lipidschichten, die sich auf kompakte Weise übereinanderlegen und so lamellare Strukturen bilden.

Die Rolle der Ceramide im Hautschutz

In dieser Struktur wechseln sich die Ceramide mit Fettsäuremolekülen und Cholesterin ab und bilden damit den flüssigen und elastischen interzellulären „Zement“, der die Anordnung der „Bausteine“ der Haut, die Korneozyten, aufrechterhält.

Diese Struktur kann nur entstehen, wenn jedes Element in der richtigen Menge an der richtigen Stelle ist.

Jede geringste Veränderung des Qualität-Quantität-Verhältnisses der Fette der Hautbarriere führt zu einer Veränderung der allgemeinen Hautstruktur und hat erhebliche Folgen für ihre Funktion, die anhand der Zunahme des transepidermalen Wasserverlustes (transepidermal water loss, TEWL) messbar sind.

Eben daher lassen sich Hautkrankheiten wie atopische Dermatitis und Psoriasis auf einen Mangel an Ceramiden zurückführen.
Tatsächlich sind beide an ein Barrieredefizit gebunden. Viele Studien belegen, dass die Haut ihr Gleichgewicht zurückgewinnt und die Beschwerden gemindert werden, wenn sie mithilfe von äußerlich anzuwendenden Emollienzien angemessen mit Ceramiden versorgt wird.

Überdies lassen neueste Studien vermuten, dass Ceramide „Signalerzeuger“ sein können, die Hautprozesse regulieren. Insbesondere wird angenommen, dass sie die hauteigenen Abwehrsysteme und Entzündungsantworten modulieren können … aber in dieser Hinsicht gibt es noch vieles zu entdecken!

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